Monatsgewinner

Alpen

Michael Walch

Der kaufmännische Angestellte aus Immenstadt hatte sich ins nahe Gunzesried aufgemacht, um beim traditionellen Viehscheid dabei zu sein. An diesem Tag werden die Kühe nach dem Sommer auf den Berg- weiden wieder ins Tal getrieben, wo sie »geschieden«, also nach ihren Besitzern getrennt werden. »Für die Hirten ist es der Jahreshöhepunkt«, so der 55-Jährige. »Sie ziehen ihr bestes Gewand an und schmücken die Tiere mit Blumen und Glocken.« Tradition, Stolz, Freude – das drückt dieses Bild für Walch aus. Das regnerische Wetter störte ihn übrigens ganz und gar nicht: »So dampfen die Tiere förmlich und schaffen eine mystische, fast unheimliche Atmosphäre.«

Hamburg

Sylvia Fölsch

Tor zur Welt: Sylvia Fölsch schoss das Leserfoto am Hamburger Hafen. Die 54-jährige Krankenschwester aus Hamburg hatte das Motiv schon häu ger in Foto- Communitys entdeckt und wollte es gern auf ihre eigene Weise fotogra eren. Beim ersten Mal, als sie zu dem Bürogebäude an der Großen Elbstraße 45 fuhr, hatte sie Pech: Die Halle mit Fensterfront zur Elbe war am Wochenende geschlossen. Was aber im Nachhinein ein Glück war. Denn die Bedingungen beim zweiten Besuch waren viel besser. Der Himmel hatte an diesem Februarmorgen eine schöne Zeichnung, dazu stieg hinter den mächtigen Kränen eine riesige Dampfwolke hervor. »Diese Lichtstimmung hat mir besonders gefallen«, sagt Sylvia Fölsch. »Und die Perspektive durch das Fenster symbolisiert einfach wunderbar Hamburgs Ruf als Tor zur Welt.«

Portugal

Sibylle Maus

Es erstreckt sich am Fuß des Denkmals der Entdecker in Lissabon. Auf dessen über 50 Meter hohe Aussichtsplattform war die 46-jährige Produktmanagerin einer Bank gestiegen, weil sie beim Fotografieren »die besonderen Perspektiven« mag. Ihr Motiv hatte sie von oben optimal im Blick: Die Mitte des Platzes schmückt eine Weltkarte, auf der die Routen der portugiesischen Entdecker zu sehen sind. Doch bevor sie auslöste, wartete die Mannheimerin, bis genügend Menschen das starre Muster aufbrachen. »Für mich sind all die Leute Weltreisende im Kleinformat«, so Sibylle Maus. »Manche gehen achtlos über das Mosaik, manche betrachten das Motiv, so unterschiedlich wie Menschen eben sind.«

Paris

Stefanie Ulm

»In Paris wird es schwer sein, ein Motiv zu finden, das noch gar nicht oder nur selten abgelichtet wurde.« Deshalb war die 29-Jährige begeistert, als sie in dem Museum stand, das einst ein Bahnhof war: »Der Blick durch die alte Bahnhofsuhr ist mir so noch nicht begegnet.« Das riesige Uhrwerk und der großartige Ausblick auf den Louvre und die Seine machen das Bild für Stefanie Ulm besonders. Und seine Stimmung: »Das Foto drückt für mich Ruhe und Ausgeglichenheit aus. Trotz des Trubels der Großstadt scheint die Zeit an diesem Ort still zu stehen.« Ein Platz zum Abschalten, bevor es wieder ins Getümmel von Paris geht.

Thailand

Nicolas Michaelis

Zwischen zehn und elf Uhr morgens ist die ideale Zeit, um die Felsengrotte im Khao-SamRoi-Yot-Nationalpark, 40 Kilometer südlich von Hua Hin, zu besuchen. Dann strahlt die Sonne direkt auf das goldene Herzstück der Höhle: den Kuha Kharuehat Pavillon. Michaelis, MechatronikDoktorand aus Saarbrücken, war im richtigen Augenblick vor Ort – und hielt mit der Kamera fest, wie der Tempel in einem fast unwirklichen Licht erstrahlte: »Gerade, dass man dieses Motiv nicht zu jeder Zeit fotografieren kann, macht das Bild so besonders für mich«, sagt der 27-Jährige. »Man muss den perfekten Moment abwarten und dazu auch noch Glück mit dem Wetter haben.«

Trier

Rolf Lehrmund

»Was macht sie da? Denkt sie über was nach, meditiert sie vielleicht oder schaut sie einfach nur aus dem Fenster?« Das fragte sich der 61-jährige Beamte im Vorruhestand, als er vor dieser Figur an einer Säule im Dom stand. Und fand diesen Gedanken sowie den Kontrast zwischen den hellen Fenstern und der dunklen Gestalt so faszinierend, dass er zu fotografieren begann. »Für mich drückt das Bild Ruhe, Frieden und etwas Mystisches aus«, sagt Rolf Lehrmund, der auf der thailändischen Insel Phuket lebt – und für den Fotografieren vor allem eins bedeutet: »Die Möglichkeit und Freude, eine Erinnerung in dem Moment festzuhalten, in dem sie entsteht.« Das ist ihm hier auf ganz besondere Weise gelungen.

Costa Rica

Lennart Schmid

»So einen will ich fotografieren!« Eines Nachts hörte er nahe seiner Unterkunft bei Siquierres ein Quaken. Er folgte den Lauten – und hielt dabei seine Taschenlampe auf Nasenhöhe: »Mit dieser Technik findet man Amphibien und vor allem Frösche sehr leicht, da ihre Augen das Licht reflektieren.« Und er hatte Glück: Auf dem Blatt einer Bromelie saß ein Rotaugenlaubfrosch und starrte ihn an. Schmid hob seine Kamera, aktivierte die Blitz-Softbox und drückte ab. Das Faszinierende dabei: »Das nur ein paar Zentimeter große Tier hat einen Fotografen vor der Nase und scheint dennoch vollkommen entspannt zu sein.«

Saarland

Eugen Tigisier

»Wortsegel« heißt diese 13 Meter hohe Stahlkonstruktion auf einem Feld bei Tholey-Sotzweiler. Der Künstler Heinrich Popp hat 2005 die zwei segelförmigen Dreiecke als Denkmal für die Poesie aufstellen lassen. Seit es dort steht, geht Eugen Tigiser hier gern spazieren, »um die Lichtstimmungen einzufangen«. An diesem Tag faszinierte den 67-jährigen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie aus Eppelborn die Morgensonne, die das eine Segel zu einem goldenen Lichtstrahl werden und fast in der Landschaft schweben lässt. »Das Foto drückt für mich Weite, Ruhe, Leichtigkeit und Ästhetik aus«, so Eugen Tigiser. »Und ich empfinde eine schöne Harmonie zwischen Technik, Kunst und Natur.«

Mannheim

Joachim Fröhner

»Andere Blickwinkel und Perspektiven haben mich schon immer gereizt«, sagt der 52-jährige Krankenpfleger aus Ludwigshafen. »Sie sind das Salz in der Suppe der Fotografie.« Das passende Motiv für seine Vorliebe fand der gebürtige Mannheimer im Hafenbecken, wo ihn »das Zusammenspiel des steinigen Untergrundes und der Klarheit der Spiegelung des Bootshauses« faszinierte. Für den besonderen Effekt drehte er das Bild anschließend einfach auf den Kopf – und schuf so die Illusion, dass der Steinboden wie eine apokalyptische Wolke über dem Haus schwebt. Was Fröhner an seinem Foto mag? »Dass es das Auge länger als eine Sekunde gefangen hält.«

New York

Harry Laub

»Die sich wiederholenden Strukturen der Feuertreppen und Fenster« waren Harry Laub aus Dossenheim sofort aufgefallen, als er mit seiner Frau an den Häusern 35 bis 39 in der Christopher Street vorbeilief – auf dem Rücken einen Zehn-Kilo-Rucksack mit zwei Kameras und drei Objektiven. Im Jahr 1976 war er bereits einmal in New York gewesen, nun hatte der 62-jährige pensionierte Polizeihauptkommissar eine einwöchige Reise in einem Foto-Wettbewerb gewonnen. Wozu er die Zeit nutzen würde, war ihm gleich klar: für weitere Aufnahmen. »Ich fotografiere fast ausschließlich auf Reisen.« Prompt schoss er das nächste Siegerfoto.

Andalusien

Jens Leuschner

Der 54-jährige Autolackierer aus Rastatt musste sich gut 20 Minuten gedulden, ehe er die Bäder der Königin Maria de Padilla für sich allein hatte. Als der Besucherandrang in der Badeanlage, die sich im Untergeschoss des Palastes befindet, endlich abgeebbt war, legte er seine Kamera zur Stabilität auf eine Mauer, richtete sie mit einem Päckchen Taschentücher unter dem Objektiv aus und machte diese wunderschöne Aufnahme. »In diesem Moment genoss ich diese unglaubliche Ruhe hier«, sagt Jens Leuschner. »Die Stimmung, die Spiegelung und die Tiefe des Raumes waren faszinierend.«

Sachsen-Anhalt

Urte Kortjohann

»Die Linienführung, die Formen, die Strukturen, diese Symmetrie« – das mag die 43-jährige Elektrotechnikerin aus Bremen vor allem an diesem Bild, das sie im Naumburger Dom, seit Sommer 2018 Weltkulturerbe, fotografiert hat. Es zeigt die Treppen auf der Rückseite des Westlettners. »Durch diese Wendeltreppen bekommt der Ausschnitt eine Dynamik«, so Urte Kortjohann. Besonders fasziniert sie der Blick durch den Torbogen: »Mit seiner Mittelstrebe und der Emporenabgrenzung am anderen Ende des Kirchenschiffes bildet er ein Kreuz.« Warum in Schwarz-Weiß? »So kommen die Formen erst richtig zur Geltung.«

London

Klaus Lenzen

Der 64-jährige Ex-Bankkaufmann aus Ratingen saß in der obersten Reihe des Wembley- Stadions, in dem gerade ein American-Football-Spiel ausgetragen wurde. »Ich wusste sofort, dass ich dieses Motiv festhalten muss«, sagt Lenzen, dem es bei seinen Fotos immer wieder darum geht, besondere Formen und Strukturen einzufangen. Er wartete die Pause ab – und bis ein Schiedsrichter den Rasen betrat und damit die strenge Anordnung der Yard-Markierungen durchbrach. Lenzens Erkenntnis: »Für einen Blick von oben ist nicht zwingend eine Drohne nötig.«

Berlin

Torsten Kupke

Trichterförmig strebt das sogenannte Lichtumlenk-Element in der Glaskuppel des Reichstagsgebäudes nach oben. Es besitzt 360 Spiegel, die im darunter liegenden Plenarsaal für ideale Beleuchtung sorgen. Dass sich gerade am Morgen »fantastische Licht- und Farbreflexe« zeigen, wusste der gelernte Werbefotograf aus Berlin. Dass sein Foto aber am Ende, so Krupke, »die politische Vielfalt des deutschen Parlaments symbolisiert«, hat er dem Bildbearbeitungsprogramm zu verdanken. »Ich habe den Sättigungsregler einfach mal bis zum Anschlag gedreht – und plötzlich leuchtete die Kuppel in den Farben der großen Parteien.« Optisch ist die schwarz-rot-grün-gelbe Koalition also schon Realität.

Kopenhagen

Jens Sieckmann

»Eine kühle Stille mit warmen Tönen« – dieser Kontrast faszinierte den 41-jährigen Softwareentwickler aus Leverkusen, als er an einem Februartag auf der Brücke Cirkelbroen stand und den »Schwarzen Diamanten« fotografierte. So wird der kubische Anbau der Königlichen Bibliothek genannt, dessen Atrium in der Dämmerung wie eine goldene Krone leuchtet. Für Sieckmann ist das Farbenspiel von Brückengeländer, Bibliothek, Himmel und Wasser mehr als nur ein Foto: »Es beschreibt für mich auch perfekt den nordischen Charakter des Landes und seiner Menschen.«

Sizilien

Christine Thormählen

»Ich mag beim Fotografieren die zweideutigen Stimmungen« – und so war dieser Moment in der Stadt im Südosten Siziliens wie geschaffen für die 58-jährige Deutschlehrerin, die im Norden Italiens lebt. Sie stand gerade auf der Terrasse der Kirche Santa Chiara und blickte auf das Rathaus und die Treppen des Doms, als ein Gewitter in der Ferne aufzog. »Es war eine sehr eigentümliche Lichtstimmung. Die Sonne schien, und gleichzeitig begann es, sanft vor sich hin zu regnen«, so Christine Thormählen. »Ein wunderbares Nebeneinander von freundlichem Frühlingslicht und etwas unheimlichem Himmel.«

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