Monatsgewinner

Mannheim

Joachim Fröhner

»Andere Blickwinkel und Perspektiven haben mich schon immer gereizt«, sagt der 52-jährige Krankenpfleger aus Ludwigshafen. »Sie sind das Salz in der Suppe der Fotografie.« Das passende Motiv für seine Vorliebe fand der gebürtige Mannheimer im Hafenbecken, wo ihn »das Zusammenspiel des steinigen Untergrundes und der Klarheit der Spiegelung des Bootshauses« faszinierte. Für den besonderen Effekt drehte er das Bild anschließend einfach auf den Kopf – und schuf so die Illusion, dass der Steinboden wie eine apokalyptische Wolke über dem Haus schwebt. Was Fröhner an seinem Foto mag? »Dass es das Auge länger als eine Sekunde gefangen hält.«

New York

Harry Laub

»Die sich wiederholenden Strukturen der Feuertreppen und Fenster« waren Harry Laub aus Dossenheim sofort aufgefallen, als er mit seiner Frau an den Häusern 35 bis 39 in der Christopher Street vorbeilief – auf dem Rücken einen Zehn-Kilo-Rucksack mit zwei Kameras und drei Objektiven. Im Jahr 1976 war er bereits einmal in New York gewesen, nun hatte der 62-jährige pensionierte Polizeihauptkommissar eine einwöchige Reise in einem Foto-Wettbewerb gewonnen. Wozu er die Zeit nutzen würde, war ihm gleich klar: für weitere Aufnahmen. »Ich fotografiere fast ausschließlich auf Reisen.« Prompt schoss er das nächste Siegerfoto.

Andalusien

Jens Leuschner

Der 54-jährige Autolackierer aus Rastatt musste sich gut 20 Minuten gedulden, ehe er die Bäder der Königin Maria de Padilla für sich allein hatte. Als der Besucherandrang in der Badeanlage, die sich im Untergeschoss des Palastes befindet, endlich abgeebbt war, legte er seine Kamera zur Stabilität auf eine Mauer, richtete sie mit einem Päckchen Taschentücher unter dem Objektiv aus und machte diese wunderschöne Aufnahme. »In diesem Moment genoss ich diese unglaubliche Ruhe hier«, sagt Jens Leuschner. »Die Stimmung, die Spiegelung und die Tiefe des Raumes waren faszinierend.«

Sachsen-Anhalt

Urte Kortjohann

»Die Linienführung, die Formen, die Strukturen, diese Symmetrie« – das mag die 43-jährige Elektrotechnikerin aus Bremen vor allem an diesem Bild, das sie im Naumburger Dom, seit Sommer 2018 Weltkulturerbe, fotografiert hat. Es zeigt die Treppen auf der Rückseite des Westlettners. »Durch diese Wendeltreppen bekommt der Ausschnitt eine Dynamik«, so Urte Kortjohann. Besonders fasziniert sie der Blick durch den Torbogen: »Mit seiner Mittelstrebe und der Emporenabgrenzung am anderen Ende des Kirchenschiffes bildet er ein Kreuz.« Warum in Schwarz-Weiß? »So kommen die Formen erst richtig zur Geltung.«

London

Klaus Lenzen

Der 64-jährige Ex-Bankkaufmann aus Ratingen saß in der obersten Reihe des Wembley- Stadions, in dem gerade ein American-Football-Spiel ausgetragen wurde. »Ich wusste sofort, dass ich dieses Motiv festhalten muss«, sagt Lenzen, dem es bei seinen Fotos immer wieder darum geht, besondere Formen und Strukturen einzufangen. Er wartete die Pause ab – und bis ein Schiedsrichter den Rasen betrat und damit die strenge Anordnung der Yard-Markierungen durchbrach. Lenzens Erkenntnis: »Für einen Blick von oben ist nicht zwingend eine Drohne nötig.«

Berlin

Torsten Kupke

Trichterförmig strebt das sogenannte Lichtumlenk-Element in der Glaskuppel des Reichstagsgebäudes nach oben. Es besitzt 360 Spiegel, die im darunter liegenden Plenarsaal für ideale Beleuchtung sorgen. Dass sich gerade am Morgen »fantastische Licht- und Farbreflexe« zeigen, wusste der gelernte Werbefotograf aus Berlin. Dass sein Foto aber am Ende, so Krupke, »die politische Vielfalt des deutschen Parlaments symbolisiert«, hat er dem Bildbearbeitungsprogramm zu verdanken. »Ich habe den Sättigungsregler einfach mal bis zum Anschlag gedreht – und plötzlich leuchtete die Kuppel in den Farben der großen Parteien.« Optisch ist die schwarz-rot-grün-gelbe Koalition also schon Realität.

Kopenhagen

Jens Sieckmann

»Eine kühle Stille mit warmen Tönen« – dieser Kontrast faszinierte den 41-jährigen Softwareentwickler aus Leverkusen, als er an einem Februartag auf der Brücke Cirkelbroen stand und den »Schwarzen Diamanten« fotografierte. So wird der kubische Anbau der Königlichen Bibliothek genannt, dessen Atrium in der Dämmerung wie eine goldene Krone leuchtet. Für Sieckmann ist das Farbenspiel von Brückengeländer, Bibliothek, Himmel und Wasser mehr als nur ein Foto: »Es beschreibt für mich auch perfekt den nordischen Charakter des Landes und seiner Menschen.«

Sizilien

Christine Thormählen

»Ich mag beim Fotografieren die zweideutigen Stimmungen« – und so war dieser Moment in der Stadt im Südosten Siziliens wie geschaffen für die 58-jährige Deutschlehrerin, die im Norden Italiens lebt. Sie stand gerade auf der Terrasse der Kirche Santa Chiara und blickte auf das Rathaus und die Treppen des Doms, als ein Gewitter in der Ferne aufzog. »Es war eine sehr eigentümliche Lichtstimmung. Die Sonne schien, und gleichzeitig begann es, sanft vor sich hin zu regnen«, so Christine Thormählen. »Ein wunderbares Nebeneinander von freundlichem Frühlingslicht und etwas unheimlichem Himmel.«

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