Eventfotografen

Die Fotografen Hinrich Carstensen und Pablo Heimplatz, die Sie als Erst- oder Zweitplatzierter unseres CEWE Fotowettbewerbs "Eventfotografie" beim MS Dockville treffen können, geben hier einen Ausblick auf ihre Arbeit und einige Tipps zum Thema:

Hinrich Carstensen, hinrichcarstensen.de

Hinrich Carstensen

Wie bist du zur Eventfotografie gekommen?

Mich haben Konzerte, Festivals und die Musik selbst schon immer interessiert. Habe selbst lange Zeit in einer Band gespielt und war im Sommer ständig auf diversen Festivals. Ich wollte früher schon immer mal hinter oder auf einer großen Bühne stehen. Vielleicht hat mich gerade das besonders angetrieben. Letzten Endes hab ich in der Konzert- und Festivalfotografie wirklich Fuß durch den Originalton Hamburg e.V. fassen können.

Welches Equipment benutzt du beim Fotografieren?

Canon EOS 5D Mark II, Canon 24-70mm f/2.8 USM II, Canon 50mm f/1.4, Canon 70-300mm f/4.0, Canon 15mm f/2.8 Fisheye, Blitze, Stativ, Softbox. Mit Blitzen arbeite ich aber sehr selten. Eigentlich ist es bei mir immer "Available Light".

Auf welche Events freust du dich in diesem Jahr am meisten?

Dieses Jahr sieht es bei mir leider zeitlich schlecht aus. Da ich hauptberuflich Bauingenieur im Bereich Offshore und regelmäßig zwei Wochen auf See bin, muss ich leider diverse Aufträge fallen lassen. Aber auch wenn ich alle Anfragen hätte annehmen können, dann hätte ich mich ehrlich gesagt auf alle gefreut. Jedes Festival hat sein eigenes Flair. Aber mein Lieblingsfestival ist natürlich das MS Dockville – in meiner Lieblingsstadt. Dieses Event bedeutet mir sehr viel, da ich dort schon seit vielen Jahren fotografiere und das Team sowie die Arbeitsatmosphäre liebe. Außerdem mache ich nun auch schon seit zwei Jahren den "Schöne Momente"-Kalender mit den zwölf schönsten Bildern des letzten Dockville-Jahres. Unterstützt werde ich dabei zum Beispiel sehr stark von Jever Live. Aber auch das Festival "A Summer’s Tale" ist eines meiner diesjährigen Favoriten. Es findet zum ersten Mal statt und ich habe diverse Ideen, die ich dort versuche umzusetzen. Besondere Aufmerksamkeit legt das "A Summer’s Tale" auch auf das Essen, mit abgefahrenen Food-Trucks und diversen Workshops. Ist sicherlich einen Besuch wert. Außerdem kommt Yann Tiersen – auf den freue ich mich besonders!

Welche Art von Events fotografierst du am liebsten?

Ich bin eigentlich, wenn es um Events geht, überwiegend auf Festivals unterwegs. Ich arbeite viel mit Jever Live zusammen, wodurch einige sehr interessante Geschichten entstehen. Am liebsten Outdoor, mit viel Atmosphäre, Stimmung und vielen schönen Momenten. Das findet man auf Festivals alles ziemlich häufig. Dann kommen noch Indoor-Geschichten zustande, wie zum Beispiel Konzerte oder Indoor-Festivals. Aber auch Reportagen sind für mich sehr interessant. Alles, bei dem ich die Stimmung, Menschen, Atmosphäre festhalten kann. Keine gestellten Bilder, sondern der "ungestellte" Moment – das ist für mich wichtig.

Wie viel Ausschuss produzierst du?

Ich produziere sehr wenig Ausschuss im Vergleich zu anderen Fotografen. Selten mache ich eine Bildserie, um das richtige Motiv zu haben. Ich sehe sehr schnell, ob das Motiv interessant ist oder nicht. Ich würde aber dennoch sagen, dass ich letztendlich nur die Hälfte oder ein Drittel meiner Fotos verwende. Den Rest würde ich aber nicht als Ausschuss betrachten.

Digital oder analog?

Bis jetzt digital. Ich möchte aber auch irgendwann analog fotografieren. Und ich möchte später eine Dunkelkammer haben, aber dafür fehlt bis dato der Platz.

Wenn du einem jungen Fotografen einen Tipp mit auf den Weg geben könntest, welcher wäre das?

Jeder kann fotografieren – der eine besser, der andere schlechter. Es kommt nicht auf das Equipment an. Selbst mit günstigen Kameras kann ein junger Fotograf tolle Ergebnisse erzielen. Man sollte sich von anderen nicht reinreden lassen. Wenn man mit seinen Bildern glücklich ist, dann sollte jeder darauf aufbauen und die Meinungen anderer ausblenden. Mir wurden auch einige Steine in den Weg gelegt, aber ich bin am Ball geblieben.

Siehst du dein Motiv bereits vor deinem inneren Auge, bevor es entsteht?

Ich stehe auf einem Event fast nie still – möchte am liebsten überall sein. Durch das Bewegen und Rumlaufen kann ich viele verschiedene Situationen und Motive einfangen, die spontan entstehen. Das reizt mich und macht mir auf einem Festival besonders viel Spaß. Bands stehen für mich weniger im Vordergrund. Die Besucher sind das, was das Festival ausmacht. Sie bilden die besten und stimmungsvollsten Motive. Ich habe natürlich auch diverse Bilder vor Augen – Standardmotive. Dort gehe ich dann gezielt hin und warte auf den perfekten Moment mit einem perfekten Licht.

Macht dir das Fotografieren auch privat noch Spaß?

Mir macht das Fotografieren sehr viel Spaß, auch privat. Das ist aber nur so, weil ich die Fotografie nebenberuflich betreibe. In einer sehr stressigen Zeit, wo ich diverse Aufträge in der Woche und am Wochenende hatte, war ich froh, die Kamera mal für einen Monat weglegen zu können. Das könnte ich als hauptberuflicher Fotograf natürlich nicht. Daher bin ich froh, dass ich meine Zeiten und Aufgaben selbst aussuchen kann und keine Aufträge annehmen muss. Ich mache nur das, was mir Spaß macht.

Welche Art Auftrag würdest du auf gar keinen Fall annehmen?

Ich nehme keine Aufträge an, bei denen ich mich unter meinem eigenen Wert verkaufe. Wenn ich merke, dass es sich um ein schönes Projekt ohne finanziellen Hintergrund handelt, das ich gern unterstützen möchte, dann ist das natürlich eine andere Geschichte. Ich habe auch schon sehr viele Aufträge angenommen, für die ich nicht bezahlt wurde oder nur sehr wenig Geld bekommen habe. Das macht mir aber nichts aus, solange ein ehrenvolles Projekt dahintersteht. Ansonsten würde ich wohl alles ausprobieren. Rückblickend hatte ich nämlich noch kein Negativereignis.

Welche drei Dinge gehören deiner Meinung nach in jede Kameratasche?

Mal abgesehen von Kamera und Objektiven – ein Schokoriegel, eine Taschenlampe und eigene Aufkleber. Der Schokoriegel kommt richtig gut, wenn man sich nachts auf dem Nach-Hause-Weg daran erinnert und einen kleinen Snack hat; die Taschenlampe, falls man im Durcheinander des Rucksacks irgendwas sucht, für spontane Light Paintings oder oder oder, und Aufkleber, weil man die einfach immer braucht.

Spiegelreflex- oder Systemkamera?

Digitale Spiegelreflexkamera und Vollformat.

Hast du privat immer eine Kamera dabei oder fotografierst du auch mit dem Handy?

Ich habe fast immer eine Kamera dabei. Wenn ich meine Kamera nicht dabei habe, dann muss mein iPhone seinen Dienst tun.

Was war der größte Aufwand den du für ein bestimmtes Fotos aufgebracht hast?

Ehrlich gesagt, mag ich diesen Aufwand für ein bestimmtes Bild nicht. Für ein Bild eine Vorbereitung von 20 Stunden vor Ort und sieben Tage im Vorfeld – das ist nichts für mich. Ich nehme meine Kamera mit ein/zwei Objektiven, gehe los, komme an und fange an zu fotografieren. Mein Licht – die Sonne – ist vor Ort oder nicht; das Motiv suche ich mir spontan und drücke ab. Ein Aufwand wäre bei mir: Wenn ich ein Motiv sehe, es aber noch nicht perfekt ist und ich einfach auf den perfekten Augenblick warte – das kann schon sehr lange sein, ist aber natürlich nicht mit Tierfotografen zu vergleichen, die 30 Stunden in einem kleinen Zelt auf ein Tier warten.

 

Pablo Heimplatz, www.pabloheimplatz.de

Pablo Heimplatz

Wie bist du zur Eventfotografie gekommen?

Eigentlich arbeite ich seit mehreren Jahren als Hochzeits- und Porträtfotograf; die Liebe zur Livemusik brachte mich dann irgendwann zu den Musikfestivals im Norden. So kam es, dass ich nun neben meiner täglichen Arbeit auch auf Festivals, wie etwa dem MS Dockville, dem Hurricane oder einigen anderen, als Fotograf anzutreffen bin.

Welches Equipment benutzt du beim Fotografieren?

Auf Festivals benutze ich eigentlich dasselbe Equipment wie für meine Hochzeiten. Jedoch verzichte ich gerade hier auf besonders viel Gepäck. Mit einer Kamera und zwei/drei Festbrennweiten lässt es sich deutlich einfacher durch Menschenmengen laufen als mit einem Koffer voller Equipment.

Auf welche Events freust du dich in diesem Jahr am meisten?

Dieses Jahr freue ich mich am meisten auf das Fusion Festival, bei dem ich ausnahmsweise mal ganz privat herumlaufen kann. Ansonsten freue ich mich wieder sehr auf das jährlich stattfindende Kunstcamp, welches bereits einige Wochen vor dem MS Dockville auf demselben Gelände ausgeübt wird.

Welche Art von Events fotografierst du am liebsten?

Ich bin kein Freund von großen Firmenevents, viel mehr sind es Events, auf denen die Gäste Spaß haben und ausgelassen den Abend genießen können. Tendenziell sind mir aber auch die etwas kleineren Festivals lieber als die ganz großen Namen. Außerdem bin ich in der Zirkuswelt ein wenig vorbelastet, weshalb ich Zirkus- und Varieté-Veranstaltungen ebenfalls gern besuche.

Wie viel Ausschuss produzierst du?

Gerade bei Festivals ist der Ausschuss enorm hoch. Die unterschiedlich starken und bunten Scheinwerfer machen es einem nicht leicht. Achtet man jedoch auf das Licht und versucht die Situation im Vorfeld einzuschätzen, wird der Ausschuss wieder deutlich minimiert. Trotzdem sind sich bewegende Musiker auf der Bühne unberechenbar und so richtig kannst du nie sagen, was als Nächstes passiert.

Digital oder analog?

Alles was mit Jobs und Einnahmen zu tun hat, mache ich digital, um die Kosten und den Aufwand im Rahmen zu halten. Private Projekte jedoch immer öfter auch analog – Filme produzieren einfach einen völlig anderen charmanten Look. Dieses Jahr werde ich jedoch auch auf Festivals mal eine Hand voll analoge Filme belichten und schauen, wie gut das klappt.

Wenn du einem jungen Fotografen einen Tipp mit auf den Weg geben könntest, welcher wäre das?

Einfach machen: Fotografiere so viel du kannst! Sitz nicht zu Hause und vertiefe dich in Foren, beschäftige dich nicht mit Technikvergleichen, sondern geh raus! Such Menschen, Szenen, Orte, die dich interessieren und probiere erstmal viel aus! Und scheu dich nicht, auch mal auf Leute zuzugehen und diese anzusprechen.

Siehst du dein Motiv bereits vor deinem inneren Auge, bevor es entsteht?

Eine Grundidee hat man natürlich schon im Kopf, der Bildausschnitt wird überlegt und die Szene ist auch vorgegeben. Trotzdem sind es meistens auch die unvorhergesehenen Dinge, die ein Bild lebendiger erscheinen lassen.

Macht dir das Fotografieren auch privat noch Spaß?

Ja, auf jeden Fall, jedoch verliert das Hobby bei der Vollzeitarbeit schnell an Attraktivität. Um mir diese trotzdem aufrecht zu erhalten, bin ich privat meistens analog unterwegs.

Welche Art Auftrag würdest du auf gar keinen Fall annehmen?

Eines der wichtigsten Kriterien bei der Menschenfotografie ist, dass man mit dem Menschen vor der Kamera klarkommt. Es bringt nichts, Hochzeits- oder Porträtbilder von jemandem zu machen, den man nicht ausstehen kann. Darum achte ich schon auf eine gegenseitige Sympathie, außerdem kann ich mich mit Babybauch-Shootings einfach nicht anfreunden. Das können andere einfach besser und liebevoller.

Welche drei Dinge gehören deiner Meinung nach in jede Kameratasche?

Ein guter Entdeckergeist, eine große Portion Neugier und Respekt allem Fotografierten gegenüber. Mit welcher Kamera ihr dann schließlich unterwegs seid, wird ganz schnell zur Nebensache. Lasst Blitze, Filter und Stative zu Hause, schnappt euch eine Kamera mit einer lichtstarken Festbrennweite, zum Beispiel 35mm oder 50mm, und zieht los!

Spiegelreflex- oder Systemkamera?

Die großen Spiegelreflexkameras sind robust und vielseitig einsetzbar, aber eben auch schwer und unhandlich. Da haben Systemkameras die Nase vorn und von der Leistung her können viele Systemkameras auch längst mithalten. Gute Bilder bekommt ihr mit beiden hin.

Hast du privat immer eine Kamera dabei oder fotografierst du auch mit dem Handy?

Privat bin ich mit diversen analogen Kameras unterwegs: Kleinbild, Point-And-Shoot oder Mittelformat. Außerdem habe ich mein iPhone auch immer dabei und auch damit lässt sich das meiste schon richtig gut einfangen.

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